Der barrierefreie Garten

Auf unserer Startseite haben wir schon einige Hinweise zum Thema barrierefreier Garten gesammelt. Das Thema gewinnt - zum Glück - derzeit immer mehr Aufmerksamkeit und wird auch im Zuge von Therapien immer wichtiger.

Auf dieser Seite möchten wir weiter ins Detail gehen und Tipps und Hinweise zusammentragen, die Sie bei der Anlage eines Gartens mit wenigen oder gar keinen Barrieren für (geh-)behinderte Menschen beachten sollten. Gerne können Sie als Anwender auch Hinweise an uns richten, damit wir hier Ergänzungen vornehmen können.

Gartenwege und Arbeitsbereich

Eine der wichtigsten Punkte für einen barrierefreien Garten ist die Anlage und Beschaffenheit der Gartenwege. Um wirklich als barrierefrei zu Gelten müssen die Wege angemessen breit angelegt, mit gut befahrbaren Material befestigt und rutschfest sein.

Klassiche Gartenwege - bespielsweise zwischen einzelnen Beetanlagen - erfüllen diese Anforderungen sehr häufig nicht. Die Wege sind zu schmal und spätestens nach einem Regenguss für gehbehinderte Menschen nicht mehr ohne Hilfe zu befahren / zu begehen. Bei mit Natursteinen ausgelegten Gartenpfaden droht Rutsch- und somit Verletzungsgefahr bei Nässe und falscher Anlage und Abflussmöglichkeiten.

Barrierefrei heißt im Garten auch immer rollstuhlgerecht. Und genau hier muss die Wegbreite großzügig bemessen werden! In Tests und Gesprächen mit dem Dresdner Behindertenbeauftragten diskutierten wir folgende Richtlinien:

Nebenwege sollten mindestens 90cm breit sein, Hauptwege 1,5m. Auch der Arbeitsbereich sollte einen Durchmesser von 1,5m haben, um auch bei der Gartenarbeit genügend Bewegungsfreiheit zu bieten.

Unsere Illustration visualisiert diese Angaben und zeigt genauer, was wir unter obigen Begrifflichkeiten in einem behindertengerechten Garten verstehen.

Klassische Hochbeete

Dass Hochbeete aus unserer Sicht unbedingt in einen barrierefreien Garten gehören versteht sich von selbst. Die Vorteile von klassischen Hochbeeten für gehbehinderte Menschen zusammengefasst:

  • erhöhte Arbeitshöhe und damit rückenschonendes Arbeiten
  • Bücken (für viele gehbehinderte Menschen nicht möglich) zur Beetpflege entfällt
  • man hat die Möglichkeit, mit einem Stuhl oder Rollstuhl der Gartenarbeit nachzugehen

Aber: einige Barrieren ergeben sich leider aber auch mit einem normalen Hochbeet. Man kann nur seitlich sitzend der Gartenarbeit nachgehen und erreicht nicht immer alle Bereiche des Beetes ohne Hilfsmittel. Die Lösung können unterfahrbare Hochbeete sein.

Rollibeet oder Tischbeet?

Mit unterfahrbaren Hochbeeten können gehbehinderte Menschen frontal sitzend der Gartenarbeit nachgehen.

Im Vergleich zu Tischbeeten (ohne Bodenkontakt) bieten unterfahrbare Hochbeete viele Vorteile klassischer Hochbeete und bauen dabei deren Barrieren ab.

Denn Hochbeete sind auch schon ohne die Vorteile für gehbehinderte eine Bereicherung für den Garten. Sie wirken bei richtiger Füllung wie Komposter: die bei der Verrottung von eingebrachten Gartenabfällen erzeugten Nährstoffe und Wärme begünstigt das Pflanzenwachstum ungemein.

Hobbygärtner berichten von bis zu 3mal höheren Erträgen durch den Einsatz von Hochbeeten. Setzen Sie in ihrem barrierefreien Garten degegen Tischbeete ein, müssen Sie auf diesen Effekt verzichten. Auch sind tiefwurzelnde Gemüse- und Pflanzenarten nicht für die Aussaat in Tischbeeten geeignet.

Hilfsmittel und Bewässerung

Schließlich zu einem wichtigen Punkt, der leider oftmals bei der Anlage eines barrierefreien Gartens "vergessen" wird: Hilfsmittel für die Gartenarbeit müssen einfach zugänglich gemacht werden!

Bei einem Hochbeet bedeutet dies beispielsweise, dass Handgeräte auch möglichst in der Nähe des Beetes gelagert werden. Hier kann man die (nicht unterfahrbaren) Seiten des Hochbeetes nutzen, und Leisten mit Halterungen anzubringen. Natürlich sollten die Geräte dann auch entsprechend rostfrei sein, um auch den ein oder anderen Regenguss schadlos zu überstehen.

In der Nähe des Arbeitsbereiches sollte sich ein Wasseranschluss befinden. Idealerweise wird ein Schlauch fest am Hochbeet angebracht und mit einem Bewässerungsaufsatz versehen.

Es besteht auch die Möglichkeit, eine komplett automatisierte Bewässerung zu integrieren. Blumat und AquaSolo sind hier als Hersteller zu nennen, die Teilweise bereits Sets für Bewässerungssysteme anbieten.

Die richtige Pflanzenwahl

Ein barrierefreier Garten sollte nicht nur aus Hochbeeten oder Tischbeeten bestehen. Obstbäume und Sträucher, Blumen am Wegesrand. Alles Bestandteil unserer Gartenlandschaft. Auch hier kann man Barrierearmut erreichen. Achten Sie beispielsweise auf kleinwüchsige Obstbäume, die zumindest im Sitzen mit Erntehilfsmittel bearbeitet werden können.

Kräuter und Blumen können in Balkonkästen oder Hängeampeln gepflanzt und somit auch ohne Bücken gepflegt werden. Beerenobst ist meist in Sträuchern erhältlich, die an einen kleinen Baum erinnern. Diese können gut in einen Gartenwegeplan eingebracht und auch aus einem Rollstuhl heraus gepflegt und abgeerntet werden.