Der barrierefreie Garten

Auf unserer Startseite haben wir schon einige Hinweise zum Thema barrierefreie Gartengestaltung gesammelt. Hier möchten wir weiter ins Detail gehen und Tipps und Hinweise zusammentragen, die Sie bei der Gestaltung eines Gartens für gehbehinderte Menschen anwenden können.

Dabei hat uns der Verband der Körperbehinderten der Stadt Dresden e.V. fachkräftig unterstützt und bei der Ausarbeitung der Tipps geholfen.

Doch zunächst möchten wir aufzeigen, was Barrierefreiheit bedeutet. Unsere Tipps für einen barrierefreien Garten sind hauptsächlich an Rollstuhlfahrer gerichtet, die eine Möglichkeit suchen, einer Gartenarbeit nachzugehen und das Grüne zu genießen. Außerdem sollen sie dabei helfen, den Garten pflegeleicht zu gestalten, damit auch Senioren ihre Freude am Gärtnern nicht verlieren.

Im Sinne der DIN 18040 werden bei der Gestaltung eines barrierefreien Gartens neben Menschen mit motorischen Einschränkungen auch Menschen mit sensorischen und kognitiven Einschränkungen berücksichtigt.

Haben Sie weitere Ideen, wie man einen Garten barrierefrei gestalten kann? Gerne können Sie Hinweise an uns richten, damit wir hier Ergänzungen vornehmen können.

Rollstuhlgerechte Gartenwege und Arbeitsbereiche

Eine der wichtigsten Punkte für einen barrierefreien Garten ist die Breite und Beschaffenheit der Gartenwege. Um als rollstuhlgerecht zu gelten müssen die Wege angemessen breit angelegt, mit gut befahrbarem Material befestigt und rutschfest sein.

Klassische Gartenwege - beispielsweise zwischen einzelnen Beeten - erfüllen diese Anforderungen sehr häufig nicht. Die Wege sind zu schmal und spätestens nach einem Regenguss für gehbehinderte Menschen nicht mehr ohne Hilfe zu begehen oder mit dem Rollstuhl zu befahren. Bei mit Natursteinen ausgelegten Gartenpfaden droht Rutschgefahr bei Nässe, Abflussmöglichkeiten für Regenwasser sollten unbedingt vorhanden sein. Um die Verletzungsgefahr zu minimieren sollten Gartenwege zusätzlich beleuchtet sein, in einem seniorengerechten Garten ist das ein Muss.

In Tests und Gesprächen mit Rollstuhlfahrern diskutierten wir folgende Richtlinien:

Nebenwege im Garten sollten mindestens 90cm breit sein, Hauptwege 1,5m. Auch Arbeitsbereiche sollten einen Durchmesser von 1,5m haben, um beim Gärtnern im Rollstuhl genügend Bewegungsfreiheit zu bieten. Der genaue Flächenbedarf für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen wird in DIN 18040 beschrieben. Ein Weg oder Wendeplatz muss mindestens 1,2m breit sein, Rollstühle brauchen 1,5x1,5m zum Wenden. Durchgänge, wie Gartentore oder Türen, müssen mindestens 90cm breit sein.

Unsere Illustration visualisiert diese Angaben und zeigt genauer, was wir unter obigen Begrifflichkeiten in einem behindertengerechten Garten verstehen und wie man diesen konkret gestalten kann.

Rampen als barrierefreier Gartenzugang

Neben den Wegen im Garten sollte man den barrierefreien Zugang zum Garten nicht vergessen. Oftmals befinden sich einzelne Stufen am Eingang oder auf eine Terrasse hinauf, sodass Rollstuhlfahrer ausgeschlossen werden. Diese Stufen können mit mobilen Rampen überwunden werden. Liegt ein Kleingarten in Hanglage sind auf allen Wegen Stufen verteilt. Achten Sie dort darauf, dass bei zu großer Neigung der Rampe Kippgefahr für den Rollstuhl bestehen kann! Normgerecht nach DIN 18040 ist eine maximale Steigung von 6%. Ist die Rampe steiler als 6% benötigt der Rollstuhlfahrer Hilfe, um sie zu benutzen.

Wird eine Gartenanlage neu errichtet kann die Barrierefreiheit von Beginn an in die Planung einbezogen, Stufen vermieden und Rollstuhlrampen fest integriert werden.

Bei jedem Kauf eines Rollibeets unterstützen wir den Verband der Körperbehinderten der Stadt Dresden e.V. mit einem Anteil des Kaufpreises in Höhe von 20€. Durch diesen werden mobile Rampen für den Zugang zu lokalen Geschäften finanziert, die sonst mit dem Rollstuhl nicht zugänglich wären. Die Rollstuhlrampen müssen von den Geschäften nicht selbst gekauft werden, lediglich eine Kaution wird hinterlegt.

Hier finden Sie weitere Informationen: Rampen-Aktion.

Hochbeete für behindertengerechte Gartenarbeit

Klassische Hochbeete

Dass Hochbeete aus unserer Sicht unbedingt in einen barrierefreien Garten gehören versteht sich von selbst. Die Vorteile von klassischen Hochbeeten für gehbehinderte Menschen zusammengefasst:

  • erhöhte Arbeitshöhe und damit rückenschonendes Arbeiten
  • positive Eigenschaften auf das Pflanzenwachstum
  • man hat die Möglichkeit, mit einem Stuhl oder Rollstuhl der Gartenarbeit nachzugehen

Aber: Leider ergeben sich auch bei einem klassischen Hochbeet Barrieren. Man kann nur seitlich sitzend der Gartenarbeit nachgehen und erreicht nicht immer alle Bereiche des Beetes. Die Lösung kann ein unterfahrbares Hochbeet sein.

Rollibeet oder Tischbeet?

Mit unterfahrbaren Hochbeeten können gehbehinderte Menschen frontal sitzend der Gartenarbeit nachgehen. Im Vergleich zu Tischbeeten (die Befüllung hat keinen Bodenkontakt) bieten unterfahrbare Hochbeete viele Vorteile gewöhnlicher Hochbeete und bauen dabei deren Barrieren ab.

Denn Hochbeete allein sind schon eine Bereicherung für den Garten. Sie wirken bei richtiger Füllung wie Komposter: die bei der Verrottung von eingebrachten Gartenabfällen erzeugten Nährstoffe und Wärme begünstigen das Pflanzenwachstum ungemein. Hobbygärtner berichten von bis zu dreimal höheren Erträgen durch den Einsatz von Hochbeeten. Setzen Sie in Ihrem barrierefreien Garten dagegen Tischbeete ein, müssen Sie auf diesen Effekt verzichten. Auch sind tiefwurzelnde Gemüse- und Pflanzenarten nicht für die Aussaat in Tischbeeten geeignet.

Hochbeete können außerdem auf Terrassen oder in Innenhöfe platziert werden. Gärtnern ist so auch außerhalb von - für Rollstuhlfahrer meist schwer zugänglichen - Gärten möglich.

Wir nennen unser mit dem Rollstuhl unterfahrbares Hochbeet "Rollibeet". Werfen Sie außerdem einen Blick auf die Entwicklungsgeschichte zu unseren Rollibeeten und deren TÜV-Zertifizierung: Entwicklung und TÜV-Zertifikat.

Barrierefreie Anbringung von Gartengeräten

Schließlich zu einem wichtigen Punkt, der leider oftmals bei der Anlage eines barrierefreien Gartens vergessen wird: Hilfsmittel für die Gartenarbeit müssen einfach zugänglich gemacht werden!

Bei einem Hochbeet bedeutet dies beispielsweise, dass Handgeräte (Werkzeuge wie Grubber, Hacken und Schaufeln) möglichst in der Nähe des Beetes angebracht werden. Hier kann man die ungenutzten oder nicht unterfahrbaren Seiten des Hochbeetes nutzen, um Leisten mit Halterungen anzubringen. Natürlich sollten die Geräte dann auch entsprechend rostfrei sein, um den ein oder anderen Regenguss schadlos zu überstehen.

In der Nähe des Arbeitsbereiches sollte sich auch ein Wasseranschluss befinden. Idealerweise wird ein Schlauch fest am Hochbeet angebracht und mit einem Bewässerungsaufsatz versehen, sodass man alle Pflanzen auf dem Beet aus dem Rollstuhl heraus gießen kann.

Es besteht zusätzlich die Möglichkeit, eine komplett automatisierte Bewässerung zu integrieren. Wird das Beet zu trocken, dann löst die Saugkraft des Bodens das Bewässerungssystem aus und Wasser wird freigegeben. Ist die Erde dann genügend bewässert wird die Wassergabe eigenständig beendet. Dem Gärtner wird so die Arbeit erleichtert, denn die Pflanzen bekommen genau die Wassermenge, die sie benötigen. Zudem wird das System über einen Schlauch mit Wasser versorgt und es müssen keine Gießkannen mehr getragen werden, weshalb ein solches Bewässerungssystem unbedingt für einen pflegeleichten Garten für Senioren zu empfehlen ist.

Empfehlungen für geeignetes Werkzeug

Manche Gartengeräte und Werkzeuge eignen sich für behindertengerechte und seniorenfreundliche Gartenarbeit besser und andere schlechter.

Für das Arbeiten aus dem Rollstuhl empfehlen sich Teleskoparme, durch die man Bäume oder Hecken im Sitzen bearbeiten kann. So können beispielsweise Obstbäume abgeerntet werden. Auch ältere Menschen können dabei von Erntehilfen mit langem Stiel oder einem Teleskoparm Gebrauch machen, um nicht auf eine Leiter steigen zu müssen.

Fällt auch die Arbeit am Beet mit zunehmendem Alter schwer, dann können Kniepolster oder Gartensitze verwendet werden. Achten Sie zudem auf das Gewicht von Gartengeräten: Handwerkzeuge sowie Eimer und Gießkannen sind in leichtem Kunststoff erhältlich.

Für behindertengerechte Gartenarbeit sollte man darauf achten, dass das Werkzeug ergonomisch ist, sodass man einen festen Halt besitzt und nicht abrutschen kann. Der Griff sollte dafür etwas größer sein und bestenfalls eine rutschfeste Oberfläche besitzen.

Die richtige Pflanzenwahl

Ein barrierefreier Garten sollte nicht nur aus Hochbeeten oder Tischbeeten bestehen. Obstbäume, Sträucher und Blumen am Wegesrand gehören unbedingt in eine Gartenlandschaft. Auch hier kann man mit geeigneten Pflanzen Barrierefreiheit erreichen.

Empfehlenswert sind beispielsweise kleinwüchsige Obstbäume, die aus dem Rollstuhl heraus mit Erntehilfsmitteln bearbeitet werden können. Kräuter und Blumen können in Blumenkübeln oder Hängeampeln gepflanzt und somit auch ohne Bücken gepflegt werden. Beerenobst ist meist in Sträuchern erhältlich. Auch Bohnenranken, Tomatenstauden und Weinreben besitzen eine geeignete Größe, um sie im Sitzen zu pflegen und abzuernten.

Vergessen Sie bei der Gartengestaltung aber nicht: Mit Blumen und Kräutern, welche Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten anlocken, kann man eine natürliche und angenehme Umgebung erzeugen. Auch blühende Duftpflanzen wie Jasmin, Lavendel oder Rosen helfen bei der Gestaltung eines erholsamen Gartens.